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Fahrrad nach Corona beliebter als Bus und Bahn

Nach Corona wird die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel weiter zurück gehen, während das Fahrrad als Verkehrsmittel an Bedeutung gewinnt. Und wer häufig den ÖPNV nutzt, ist auch eher bereit, sich impfen zu lassen.

So lauten Ergebnisse der Studie „Mobilität während und nach der Corona-Krise – Erneute Analysen für Deutschland“ des „Research Lab for Urban Transport“ der Frankfurt University of Applied Sciences. Mit ihrer aktuellen Forschung knüpfen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an eine Vorgänger-Studie zum veränderten Mobilitätsverhalten im Zuge der Corona-Krise an, die im September 2020 veröffentlicht wurde.

Repräsentative Befragungen mit etwa 1500 Personen

In der vorherigen Studie „Verkehrswende trotz Pandemie? Mobilität und Logistik während und nach der Corona-Krise“ von Juni bis September 2020 wertete das Team Verkehrsdaten aus unterschiedlichen Quellen aus, führte eine repräsentative Befragung von Bürgerinnen und Bürgern im Hinblick auf deren Verkehrsmittelwahl und Kaufverhalten durch und interviewte Expertinnen und Experten aus den Bereichen Wissenschaft, Verkehrswesen und Logistik zu den Herausforderungen, die sich durch die Corona-Pandemie ergeben.

Ein Jahr später ist nun mithilfe einer zweiten Befragung untersucht worden, wie sich Verkehrsmittelwahl und Mobilitätsverhalten tatsächlich geändert haben und was die Erwartungen für eine Zukunft nach Corona sind. Für das Update führte das Team deutschlandweit im Juli 2021 weitere repräsentative Befragungen mit etwa 1500 Personen durch, von denen viele bereits Teil der ersten Befragung waren. Durch einen Vergleich Geimpfter und Genesener auf der einen Seite und Ungeimpfter auf der anderen Seite, soll zudem der Effekt der dauerhaften Verhaltensänderung abgeschätzt werden.

Die aktuelle Studie bestätigte manche Ergebnisse aus dem vergangenen Jahr, beispielsweise den Effekt der Corona-Krise auf den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Im Vergleich zum Sommer 2020 wurde er nun an noch weniger Tagen pro Woche genutzt. „Ein Aspekt dürfte dabei sein, dass nach den Lockdowns und der Homeoffice-Erfahrung viele Zeitkarten erstmal nicht wieder gekauft wurden und so der ÖPNV für gelegentliche Fahrten vergleichsweise unattraktiv erscheint“, erklärt Marco Sunder, Transportökonomik-Professor an der Frankfurt University.

Impfbereitschaft unter Nutzern von Bus und Bahn

Fuhren die Teilnehmenden in Großstädten vor der Corona-Krise an durchschnittlich 2,08 Tagen pro Woche mit dem ÖPNV, so reduzierte sich die Nutzung in der erneuten Befragung um knapp ein Drittel auf nur noch 1,42 Tage pro Woche. Noch deutlicher fiel der Effekt bei den Befragten auf dem Land aus, die den öffentlichen Nahverkehr aber grundsätzlich seltener nutzen. Dort betrug der Rückgang sogar fast 60 Prozent.

Mit den erhobenen Angaben zur Corona-Impfung ließ sich zudem feststellen, dass die Menschen, die vor Corona häufig Bus und Bahn genutzt hatten, nun auch eher bereit waren, sich impfen zu lassen. Allerdings gab es keinen klaren Hinweis darauf, dass vollständig Geimpfte wieder zum alten Mobilitätsverhalten aus der Zeit vor Corona zurückkehrten.

Gewinner ist das Fahrrad

Tatsächlich wollen nur zwölf Prozent der Erwachsenen die öffentlichen Verkehrsmittel in einer Zeit nach Corona häufiger nutzen als davor. 23 Prozent planen, dauerhaft seltener auf den ÖPNV als Verkehrsmittel zu setzen. Relativer Gewinner ist wie in der ersten Studie aus dem vergangenen Jahr das Fahrrad. Es hat zudem auch für die Zeit nach Corona sehr gute Aussichten, wie die Ergebnisse zeigen. Nur fünf Prozent der Befragten planen nach Corona seltener mit dem Fahrrad zu fahren als davor, 31 Prozent dagegen möchten auch nach der Pandemie häufiger mit dem Fahrrad unterwegs sein.

Interessant ist, dass viele Befragte auch für den Fall sehr niedriger Inzidenzen im kommenden Jahr wünschen, dass Hygiene-Vorschriften weiterhin im ÖPNV Bestand haben. 68 Prozent der Teilnehmenden plädierten dafür, dass in Bussen und Bahnen zumindest einige Vorschriften weiter gelten, während 17 Prozent die Abschaffung aller Hygieneregeln bevorzugte.

„Einige der in den Studien beschriebenen Entwicklungen wären wohl auch ohne die Pandemie aufgetreten, wenn auch deutlich langsamer“, sagt Sunder: „Gerade für den ÖPNV müssen nun weitere Konzepte entwickelt werden, um Fahrgäste zurückzugewinnen. Eine mit regelmäßigem Homeoffice verträgliche Tarifgestaltung gehört sicherlich dazu.“

Foto: Deutsche Bahn AG/ Oliver Lang

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