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Das Wort Klimaschutz trendet gerade auf unangenehme Weise

Es ist wie eine Zeitenwende. Überall nur noch Klimaschutz. In der Radiowerbung, in allen Medien, auch in Pressemitteilungen. Plötzlich hat alles, was erforscht wird, auch Auswirkung auf den Klimaschutz. Super, dann ist die Welt wohl doch noch zu retten!

Nein, so einfach ist es ja nun nicht. Es ist aber unangenehm anzuschauen, dass sich jetzt alle des Wortes Klimaschutz bedienen. Dabei sollte im Sinne des Verbraucherschutzes doch auch drin sein, was drauf steht.

Was den Konsum betrifft, fasst Carsten Baumgarth vom Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft es gerade richtig zusammen: „Sobald es einigen wenigen, starken Nachhaltigkeitsmarken in einem bestimmten Segment gelingt, erfolgreich zu sein, verändern sich nicht nur die Konsumbedürfnisse, sondern auch die Wettbewerber passen ihre Strategie und ihre Marktangebote an, und dadurch können Märkte in Richtung Nachhaltigkeit transformiert werden.“

Vielleicht wäre ein „Klimalabel“ eine gute Idee

Das kann klappen. Aber vielleicht wäre ein „Klimalabel“ eine gute Idee. So etwas wie „Nutri-Score„, der „Blaue Engel“ oder das „Energielabel„. So würde von Anfang an Schindluder mit dem steigenden Bewusstsein der Menschen vermieden, den wir in den nächsten Jahren klimaschützender Anstrengungen nicht brauchen.

Doch was ist mit Wissenschaft und Forschung? Kürzlich machte die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, in Sachen Klimaschutz nun wirklich nicht unwichtig, darauf aufmerksam, dass der Kultur- und Naturerbesektor über ein „immenses Klimaschutz-Potenzial, etwa durch Gebäudesanierung, Kreislaufwirtschaft und als Kohlenstoffspeicher“ verfüge.

Im Kern wird das stimmen. Aber dann müssen wir auch die tausenden Kleingärtner bedenken, die Milchbauern mit ihren fetten Wiesen, die ÖPNV- und Fahrradfahrer ohne Autobesitz, die Keinfleischesser und und und …

Wenn sich die Gesellschaft und im besten Fall auch die uns bevorstehende Ampel-Koalition mitsamt Bundestag einig ist, dass wir eine Klimakrise haben und der Klimawandel eindeutig mit der radikalen Einsparung von Treibhausgasen abgewendet werden kann, sind belastbare Zahlen wichtig.

Deutschland verfehlt seine Klimaschutzziele

Das Öko-Institut hat heute auf Grundlage des jetzt veröffentlichten Projektionsbericht 2021 der Bundesregierung darauf hingewiesen, dass wir die Klimaziele verfehlen. Mit den Klimaschutzmaßnahmen können die Treibhausgasemissionen in Deutschland demnach um 49 Prozent bis 2030 und um 67 Prozent bis 2040 gegenüber 1990 sinken.

Das Bundes-Klimaschutzgesetz schreibe jedoch Minderungsziele von 65 Prozent bis 2030 und 88 Prozent bis 2040 vor. „Deutschland verfehlt damit seine Klimaschutzziele in den beiden kommenden Dekaden, sofern nicht zusätzliche Maßnahmen zur Senkung der klimaschädlichen Treibhausgasemissionen getroffen werden“, so das Institut.

Wir müssen künftig noch besser wissen, wo Kohlendioxid und andere Klimaerwärmer wie zum Beispiel Methan auf der Erde entstehen, aber auch verschwinden. Die Forschung spricht von Quellen und Senken. Und die sind über die Zeit auch nicht immer gleich. Ein Ökosystem wie die Erde wandelt sich nun mal ständig. Was heute noch CO2 verschlingt, wie das Plankton, das abgestorben in die Tiefsee verschwindet, macht das morgen vielleicht nicht mehr.

Solche Beobachtungen stellen die Forschenden im Integrierten Kohlenstoffbeobachtungssystem (ICOS) an, das als europäisches In-situ-Beobachtungs- und Informationssystem konzipiert ist, um Wissenschaft und Gesellschaft bei ihren Bemühungen zur Eindämmung des Klimawandels zu unterstützen. ICOS erhebt kontinuierlich standardisierte und frei verfügbare Daten von derzeit über 140 Messstationen in 13 europäischen Ländern.

Politische Bemühungen um die Entscheidung über sinnvolle Klimamaßnahmen unterstützen

Dort stellt man sich Fragen wie: Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Fähigkeit natürlicher terrestrischer und ozeanischer Senken aus, Kohlenstoff zu binden? Wie kann die Überprüfung nationaler und lokaler Treibhausgasinventare am besten unterstützt werden? Und wie lässt sich die Wirksamkeit von Klimaschutzmaßnahmen am besten verstehen und überprüfen?

Das am ICOS beteiligte Max-Planck-Institut für Biogeochemie betont jetzt, dass die Erstellung eines europäischen Kohlenstoff- und Treibhausgasbudgets bald jährlich in hoher räumlicher Auflösung und mit geringerer Unsicherheit erfolgen könne. „Dies war bisher nur mit erheblichem und einmaligem Aufwand möglich“, heißt es: „Solche Budgets können wesentlich die politischen Bemühungen um die Entscheidung über sinnvolle Klimamaßnahmen unterstützen.“

Richtig!

Foto: Dominic Wunderlich auf Pixabay

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