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Corona: Digitales Lernen nimmt stark zu

Als Bund und Länder den „DigitalPakt“ beschlossen, hatte man 2025 als Zielmarke ins Auge gefasst. Dass eine Pandemie den Bedarf nach konkreten Lösungen plötzlich von Null auf Hundert beschleunigte, ahnte damals niemand. Digitales Lernen ist in der Corona-Krise gefragter denn je – vor allem an weiterführenden Schulen, stellt jetzt das Statistische Bundesamt fest. Im ersten Quartal 2020 kommunizierten 59 Prozent der 10- bis 15-Jährigen mit Lehrkräften oder anderen Lernenden über entsprechende Lernplattformen oder -portale. Das war mehr als sieben Mal so viel wie im Vorjahr.

Von den Schülerinnen, Schülern und Studierenden ab 16 Jahren nutzten 72 Prozent diesen Weg der Kommunikation zu Lernzwecken. Damit hat sich in dieser Altersgruppe der Anteil im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal verdoppelt so die Bilanz der Statistiker.

Auch die Nutzung digitaler Lernmaterialien erfuhr einen Aufschwung. 64 Prozent der Schülerinnen und Schüler im Alter von 10 bis 15 Jahren verwendeten im ersten Quartal 2020 solche Materialien wie audiovisuelle Medien, Online-Lernsoftware und elektronische Lehrbücher. Das waren doppelt so viele wie im entsprechenden Vorjahresquartal (32 Prozent). Auch bei den älteren Schülerinnen und Schülern ab 16 Jahren sowie Studierenden ist der Anteil gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen: Während im ersten Quartal 2019 rund 54 Prozent digitale Lernmaterialien genutzt hatten, lag der Anteil im ersten Quartal 2020 bei 70 Prozent. 

Die Corona-Krise führt auch zu einer größeren Nachfrage nach Online-Kursen. Im ersten Quartal 2020 absolvierten 13 Prozent der Schülerinnen und Schüler im Alter von 10 bis15 Jahren und 22 Prozent der Lernenden ab 16 Jahren Online-Kurse. Im Vorjahr lag der Anteil bei den Jüngeren bei drei Prozent und bei den Älteren bei elf Prozent. 

Digitale Ausstattung in Familien hängt stark vom Einkommen ab

Digitales Lernen ist nur mit der entsprechenden Ausstattung möglich – und diese hängt bei Familien stark vom Haushaltseinkommen ab. Anfang 2020 besaß fast die Hälfte (45 Prozent) der Haushalte mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren und einem Haushaltsnettoeinkommen unter 2000 Euro kein Tablet. Bei einem Haushaltseinkommen von monatlich 5000 bis unter 18000 Euro waren nur 14 Prozent der Haushalte ohne Tablet. Etwas geringer sind die Unterschiede bei Laptops und Notebooks: Hier hatten unter den Familien mit besonders geringem Einkommen 18 Prozent kein solches Gerät, unter jenen mit besonders hohem Einkommen lag der Anteil bei 6 Prozent. 

Im Zuge der Corona-Pandemie hat sich das Leben zunehmend sowohl ins Internet als auch in den eigenen Haushalt verlagert. Digitales Lernen wie Homeschooling, Homeoffice und Freizeitaktivitäten laufen parallel, da spielt die Anzahl der vorhandenen Geräte eine wichtige Rolle. Rein rechnerisch verfügten Familien Anfang 2020 im Schnitt über insgesamt 3,2 Computer – egal ob stationär oder mobil als Laptop oder Tablet. Aber auch hier zeigt sich: Je höher das Haushaltseinkommen, desto mehr Geräte waren im Schnitt vorhanden. Familien mit hohem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen (5000 bis unter 18000 Euro) standen Anfang 2020 rein rechnerisch im Durchschnitt 4,1 PCs zur Verfügung. In der untersten Einkommensgruppe (unter 2000 Euro) waren es durchschnittlich 2,2 Geräte.

Digitaler Wandel betrifft Millionen Schülerinnen und Schüler

Der digitale Wandel verändert den Alltag von Millionen Lernenden und Lehrenden in Deutschland gleichermaßen. Im Schuljahr 2019/20 wurden 10,9 Millionen Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen unterrichtet. Davon waren 7,6 Millionen an weiterführenden Schulen, die coronabedingt stärker auf Digitalunterricht setzen als Grundschulen.

Während der Corona-Pandemie sind die digitalen Möglichkeiten der Lehre zudem besonders wichtig für Lehrkräfte, die zu sogenannten Risikogruppen gehören. Von den insgesamt 694000 Lehrkräften, die im Schuljahr 2019/20 bundesweit an allgemeinbildenden Schulen tätig waren, war mehr als ein Drittel (37 Prozent) 50 Jahre und älter. Gut jede zehnte Lehrkraft (12 Prozent) war mindestens 60 Jahre alt. 

Foto: Steve Riot auf Pixabay

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