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Digitalisierung auf dem Acker: 5G an jeder Milchkanne?

Landwirtschaft und Digitalisierung – die Unterschiedlichkeit dieser Welten hat Professor Gerhard Breves von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover 2018 auf einer Tagung durch den Bedeutungswechsel des Begriffes „Cloud“ gut verdeutlicht: „Früher erwartete der Landwirt aus der Cloud den Niederschlag als Lebens- und Entwicklungsgrundlage für die Pflanzen und heute rieseln die Daten.“

Fest steht: Nach der „Grünen Revolution“, die die Landwirtschaft ertragreicher machte und körperliche Arbeit durch Maschinen ersetzte, steht Bäuerinnen und Bauern heute erneut das Zeitalters der Digitalisierung bevor, wenn sie nicht schon mitten drin sind. Die Arbeit der Landwirte wird sich dadurch grundlegend verändern. Viele Arbeitsschritte im Stall und auf dem Acker werden in absehbarer Zeit durch digitale Lösungen erleichtert und teilweise ersetzt werden können. Aber auch das Vertrauen der Verbraucher in ihre Produkte müssen sie erhalten.

Im Bundestag hat sich der Ausschuss Digitale Agenda jetzt mit den 14 digitalen Experimentierfeldern des Zukunftsprogramms der Bundeslandwirtschaftsministerin beschäftigt. Diese umfassen die Fischerei, den Wald etwa bei Messungen in Bezug auf die Waldbrandgefahr, aber auch den Bereich Ernährung bei Rückrufen von Lebensmitteln. Deutschlandweit wird mit den Experimentierfeldern geprobt, wie praxistaugliche Lösungen aussehen könnten, etwa um Logistikketten zu verbessern, Algorithmen zu entwickeln oder die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Auch beim Umgang mit knapper werdenden Ressourcen, zum Beispiel bei einer punktgenauen Bewässerung und beim Umweltschutz soll die Digitalisierung Chancen öffnen. Auch um gezielt Pflanzenschutzmittel einzusparen.

Drohnen und digitalisierte Kuhstall

Der voll digitalisierte Milchkuhstall mit automatischen Melksystem und Meldungen auf das Smartphone des Landwirts über den Gesundheitszustand einzelner Kühe ist laut Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner vielerorts schon Realität. Auch werde verstärkt auf Drohnen zurückgegriffen, um mithilfe von Wärmebildkameras Rehkitze auf den Äckern zu finden. Die gleichen Drohnen würden auch verwendet, um gezielt Nützlinge im Maisfeld abzuwerfen.

Auch spiele die Digitalisierung eine Rolle für die Attraktivität grüner Berufe in der Zukunft. Schon jetzt liege die Offenheit und Akzeptanz bei den Landwirten für digitale Technologien bei mehr als 80 Prozent, berichtete die Ministerin. Nötig sei es, „an jeder Milchkanne über 5G“ zu verfügen, damit Künstliche Intelligenz auf dem Acker funktioniere und Maschinen miteinander kommunizieren könnten. Auch mit Blick auf smarte Landregionen werde auf Landkreisebene an innovativen, digitalen Lösungen und einer Plattform gearbeitet, um Bürger in der Daseinsvorsorge im ländlichen Raum zu unterstützen.

Rechtsrahmen fehlt

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. in Hamm, die sich für eine zukunftsfähige Landwirtschaft im Sinne einer sozial- und umweltverträglichen Landwirtschaf einsetzt, zeigt sich beim Thema Digitalisierung offen: „Schon heute setzen viele Bauern und Bäuerinnen digitale Instrumente ein und sind grundsätzlich offen für digitale Technik.“ Man sehe die Möglichkeiten und Chancen, doch der aktuelle Diskurs würde von der Agrar- und Digital-Industrie dominiert und sei eher von deren Interessen geleitet als von den Bedürfnissen von und dem Nutzen für Bauern und Bäuerinnen. „Es droht dabei die Gefahr, dass das industrielle Agrarmodell einfach fortgesetzt und die menschenrechtlichen sowie Umweltprobleme sogar noch verschärft werden“, so der Verband.

Bislang seien Fragen in Bezug auf den Zugang zu den Technologien, die Datenhoheit, den Energie- und Ressourcenverbrauch, den Schutz bäuerlichen Wissens, die Kontrolle von algorithmenbasierten Entscheidungen und entstehende Abhängigkeiten durch mangelnde Kompatibilität unterschiedlicher Systeme ungeklärt. Auch fehle grundsätzlich ein verbindlicher und umfassender Rechtsrahmen zur Regulierung der Digitalisierung in der Landwirtschaft.

Foto: DJI-Agras auf Pixabay

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