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Droht eine Rückkopplung zwischen Insektensterben und Pflanzenwelt?

Das Insektensterben ist mittlerweile unumstritten. Wie komplex aber die Folgen und Rückkopplungen zwischen der Pflanzen- und Insektenwelt sind, wenn die Bestäubungsleistungen vieler Tiere ausbleiben, das hat ein globales Forschungsnetzwerk jetzt beschrieben.

Mit etwa 175000 Pflanzenarten ist die Hälfte aller Blütenpflanzen für die Samenbildung und damit für ihre Fortpflanzung meist vollständig auf tierische Bestäuber angewiesen, wie eine aktuelle Studie berichtet. Dahinter steht ein globales Forschungsnetzwerk von 21 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von fünf Kontinenten, an dem auch das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und die Universität Konstanz beteiligt sind.

Insektensterben könnte zu erheblichen Störungen der natürlichen Ökosysteme führen

Ein Rückgang der Zahl an Bestäubern könnte zu erheblichen Störungen der natürlichen Ökosysteme und eines Verlustes der biologischen Vielfalt führen, stellen die Forschenden fest. Laut Tiffany Knight, Professorin am iDiv, haben jüngste globale Erfassungen der Pflanzenbestäubung eine Wissenslücke im Verständnis der Abhängigkeit der Pflanzen von tierischen Bestäubern aufgezeigt. Zwar werden viele Pflanzen von Tieren bestäubt, aber die meisten Pflanzen haben auch eine gewisse Fähigkeit zur Selbstbefruchtung. Das heißt, sie können zumindest einige Samen ohne Bestäuber bilden.

Bisher gab es jedoch auf die Frage, wie wichtig Bestäuber für Wildpflanzen sind, auf globaler Ebene keine eindeutige Antwort. Als Indikator für die Bedeutung der Bestäuber für die Pflanzen diente den Forschenden ihr Beitrag zur Samenproduktion, ermittelt durch den Vergleich der Samenproduktion in Abwesenheit von Bestäubern gegenüber der Samenproduktion in ihrer Anwesenheit.

Daten hierzu gab es zwar bereits, diese waren jedoch auf Hunderte Forschungsarbeiten verteilt, die sich wiederum auf verschiedene Pflanzenarten konzentrierten. Um dieses Problem zu lösen, haben die unterschiedlichen Einrichtungen ihre Datenbanken zusammengefasst. Das Ergebnis sind Daten aus 1528 separaten Experimenten, die 1392 Pflanzenpopulationen und 1174 Arten aus 143 Familien von allen Kontinenten außer der Antarktis repräsentieren.

Ohne tierische Bestäuber würde ein Drittel der Blütenpflanzen keine Samen produzieren

Die Zusammenführung zeigt, dass ohne tierische Bestäuber ein Drittel der Blütenpflanzen keine Samen produzieren würde und die Hälfte einen Rückgang der Fruchtbarkeit um achtzig Prozent oder mehr erleiden würde. Auch wenn die Selbstbefruchtung weit verbreitet ist, gleicht diese den Wegfall der Fremdbestäubung durch Tiere bei den meisten Pflanzenarten also keineswegs vollständig aus.

„Jüngste Studien zeigen, dass viele Arten von Bestäubern in ihren Populationsgrößen stark zurückgegangen und einige sogar ausgestorben sind“, berichtet James Rodger vom Fachbereich Botanik und Zoologie der Universität Stellenbosch. „Unsere Erkenntnis, dass eine große Anzahl von Wildpflanzenarten von Bestäubern abhängig ist, zeigt, dass ein Rückgang der Tiere erhebliche Störungen der natürlichen Ökosysteme verursachen könnte“, warnt er. Er sagt aber auch, dass es noch nicht zu spät zum Handeln sei: „Viele Pflanzen sind langlebig, was ein Zeitfenster eröffnet, in dem Bestäuber-Arten wieder angesiedelt werden können, bevor es durch ihren Mangel zu einem Aussterben von Pflanzen kommt.“

Selbstbefruchtende Pflanzen produzieren weniger Nektar und Pollen

Laut Mark van Kleunen, Professor an der Universität Konstanz, müssten hierfür nicht einmal alle Bestäuber verschwinden: „Wenn es weniger gibt oder selbst wenn sich lediglich das zahlenmäßige Verhältnis zwischen den verschiedenen Arten verschiebt, müssen wir mit Folgewirkungen auf die Pflanzen rechnen.“ Einige betroffene Pflanzenarten würden dann in ihrer Zahl zurückgehen, was wiederum Tierarten und menschliche Populationen, die von diesen Pflanzen abhängig sind, schädigt: „Bestäuber sind nicht nur für die Pflanzenproduktion wichtig, sondern auch für die Artenvielfalt“, sagt er. Das bedeute auch, dass sich Pflanzen, die nicht auf Bestäuber angewiesen sind, wie viele sogenannte „problematische Unkräuter“, noch stärker ausbreiten könnten, wenn die Tiere weiter zurückgehen.

Und Joanne Bennet von der Universität Canberra in Australien berichtet von einer Rückkopplungsschleife, die entsteht, wenn von Bestäubern abhängige Pflanzen zurückgehen oder aussterben: „Wenn selbstbefruchtende Pflanzen die Landschaft dominieren, hat dies zusätzliche negative Folgen für die Tiere, weil selbstbefruchtende Pflanzen tendenziell weniger Nektar und Pollen produzieren.“

Foto: Schwoaze auf Pixabay

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