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Klimawandel heizt den Höhenflug grüner Parteien in Europa an

Ein zusätzlicher, offenbar durch den Klimawandel verursachter, ungewöhnlich warmer Tag in jedem Monat eines Jahres lässt in Europa sowohl Umweltbewusstsein als auch den Stimmenanteil grüner Parteien um 0,8 Prozentpunkte ansteigen.

Zu diesem Ergebnis kommen Berechnungen eines internationalen Forschungsteams mit Beteiligung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Universität Wien.

Für ihre Studie haben die Forschenden Wetterdaten zu Temperatur und Dürre mit europaweiten, kleinräumigen Daten zu Umwelteinstellungen und Wahlverhalten verknüpft. Dafür wurden 42 Eurobarometer-Umfragen zwischen 2002 und 2019 für 34 europäische Länder sowie die sechs Europawahlen von 1994 bis 2019 für 28 Länder ausgewertet.

Je wärmer durch den Klimawandel, desto grüner

Die Zahlen zeigen, dass die messbare Zunahme an ungewöhnlich hohen Temperaturen durch den Klimawandel zur vermehrten Sorge um die Klimaveränderung geführt hat. Und zugleich zu einem grünen Höhenflug im nordwestlichen Europa beigetragen hat. „Wir können zeigen, dass die unmittelbare Erfahrung von extremen Temperaturen und Dürren zu einer Stärkung des Umweltbewusstseins führt, was dazu beiträgt, dass mehr Menschen grüne Parteien wählen“, sagt Roman Hoffmann vom Institut für Demographie der Akademie der Wissenschaften.

Das Ausmaß der Effekte von Klimaextremen auf das Wahlverhalten ist dabei beträchtlich. Nach Berechnungen der Forschenden lässt ein zusätzlicher ungewöhnlich warmer Tag in jedem Monat eines Jahres die Umweltbesorgnis sowie die Zustimmung zu grünen Parteien um jeweils 0,8 Prozentpunkte steigen. „Angesichts der erheblichen Temperaturanomalien, die wir in den vergangenen Jahren erlebt haben, kann dies kommende Wahlergebnisse zunehmend beeinflussen“, sagt Roman Hoffmann.

Der Norden ist grüner als der Süden

Dabei fällt auf, dass die Sorge um den Klimawandel und andere Umweltprobleme sich nicht einheitlich auf Europa verteilen, sondern stark zwischen den Regionen variieren. „Wir stellen fest, dass das Umweltbewusstsein in den vergangenen Jahren hauptsächlich in West- und Nordeuropa angestiegen ist, während wir in Süd- und Osteuropa zwar auch einen leichten Anstieg verzeichnen, allerdings weniger deutlich und auf einem niedrigeren Niveau“, erklärt Jonas Peisker vom Institut für Demographie der Universität Wien.

Regional unterschiedlich wirken sich Klimaextreme auch auf Umweltbewusstsein und Wahlverhalten aus: In südeuropäischen und damit wärmeren Regionen Europas beeinflussen ungewöhnlich hohe Temperaturen den Urnengang weniger stark als in Regionen mit einem moderaten Klima. „Wir finden Hinweise darauf, dass sich dies auf die bessere Anpassung dieser Regionen an warmes, trockenes Klima, etwa im Bereich der Landwirtschaft, zurückführen lässt“, so Jonas Peisker.

Wohngegenden mit höherem Einkommensniveau reagieren sensibler

Aber auch ökonomische und demographische Faktoren spielen eine Rolle in Sachen Klimabewusstsein. Wohngegenden mit höherem Einkommensniveau reagieren sensibler auf Dürre und Temperaturanomalien als einkommensschwache Gebiete. Zudem stellten die Forschenden fest, dass Regionen mit mehr Landwirtschaft, einer besser gebildeten Bevölkerung sowie einem höheren Anteil junger Menschen stärker von den Wettereignissen beeinflusst werden.

Foto: geralt auf Pixabay

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