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Digital: Mit Stulle und Tablet in die Schule?

Den Genitiv Singular in Latein hat der Junge kürzlich bei seinem Lehrer in der fünften Klasse am Gymnasium gelernt. Jetzt erklärt ihm sein Vater den Plural, denn die Schule ist wegen Corona geschlossen. Aber verzweifelt gesteht der 11-Jährige seinem Vater, dass er den Plural auch lieber bei seinem Lehrer lernen würde, weil es dort leichter ist. In solchen pandemiebedingten Situationen steht dann schnell die Frage im Raum, ob digitale Schulangebote jetzt die Lösung wären?

Für manche Eltern ist im Augenblick die einzige Lösung der Beginn der Osterferien. Viele mussten zuletzt die „Schule daheim“ neu erfinden. Zwar überschlugen sich die Angebote an die Lehrenden und Heimerziehenden. Aber wer Kinder hat und in die E-Mails des vielerorts überforderten Schulpersonals schaute, ahnte schnell, dass mit dem bundesweiten Schulstopp viel Eigeninitiative und Geduld gefragt war. Mal abgesehen davon, dass manches Elternhaus das Lernen zuhause mangels Pädagogik und eigenem Wissen gar nicht unterstützen kann.

Wir bleiben schlau!

Kurz vor den Ferien verkündeten Bundesbildungsministerin Anja Karliczek und Stefanie Hubig, Präsidentin der Kultusministerkonferenz, ein neues Angebot der Allianz „Wir bleiben schlau!“. Speziell für Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik biete es online Aufgaben und Anregungen: „Gerade in diesen Wochen der Schulschließungen ist es wichtig, dass wir die Bildungsangebote für zu Hause besonders stärken“, sagte Karliczek, räumte aber ein, dass dies kein Ersatz für die schulische Bildung sei. Und Hubig sieht in mintmagie.de eine sinnvolle Ergänzung in Zeiten der Schulschließung, in denen Eltern zuhause den Tag ihrer Kinder strukturieren müssten.

Auf der Seite stehen Beispiele, wie man in einem virtuellen Labor selbst chemische Versuche durchführen kann. Oder lernen kann, wie ein Computer programmiert wird. Außerdem gibt es Experimente rund um das Thema Klima und vieles mehr. Doch ist das die digitale Bildungsoffensive? Und warum ist eigentlich in den letzten Jahren kaum etwas getan worden, um in den Schulen die gewünschte Digitalisierung voranzutreiben?

Von Corona unter Druck gesetzt hatten Bund und Länder – um den den Unterricht weitestgehend aufrecht zu erhalten – kurzfristige Hilfen für digitalen Unterricht ermöglicht. 100 Millionen Euro aus dem DigitalPakt Schule stellten sie bereit. „Mit diesen Mitteln können die Länder den schnellen Aufbau der Infrastruktur und die Ausweitung des digitalen Unterrichts in Zeiten bundesweit geschlossener Schulen umsetzen“, hieß es, aber „letzte Details müssen noch geklärt werden“. Da es dauert, öffentliche Gelder auszuzahlen und damit etwas zu tun, dürfte die Umsetzung wohl im Wettlauf mit der Pandemie stattfinden.

DigitalPakt Schule

Mit dem DigitalPakt Schule unterstützt der Bund die Länder und Gemeinden bei Investitionen in die digitale Bildungsinfrastruktur. Ziele des Digitalpaktes sind der flächendeckende Aufbau einer zeitgemäßen digitalen Bildungs-Infrastruktur unter dem Primat der Pädagogik. Dazu verpflichten sich die Länder entsprechend ihrer Strategie „Bildung in der digitalen Welt“, digitale Bildung durch pädagogische Konzepte, Anpassung von Lehrplänen und Um­gestaltung der Lehreraus- und –weiterbildung umzusetzen. Im Rahmen seiner verfassungsrechtlichen Möglichkeiten stellt der Bund für Investitionen in die digitale Bildungsinfrastruktur insgesamt 5 Milliarden Euro zur Verfügung, davon 3,5 Milliarden in dieser Legislaturperiode. Die Schulträger in den Ländern tragen zusätzlich über 550 Millionen Euro bei. Mit dieser großen Summe sollen die Voraussetzungen für Bildung in der digitalen Welt bundesweit und nachhaltig spürbar verbessert werden.

www.digitalpaktschule.de

Digitale Schule: Kollaboratives Lernen

Aber beim DigitalPakt weiß man auch: „Kein Medium alleine erzeugt gute Bildung, dies gilt auch für das Buch, das Schreibheft und die Kreidetafel.“ Es seien immer die pädagogischen Konzepte, die aus der Vielfalt an Angeboten gute Bildung machen. Daher gelte das Primat der Pädagogik. Angesichts der sozialen und kulturellen Vielfalt der Schülerschaft müsse Bildung individueller gestaltet werden. Digitale Medien können laut SchulPakt das Lernen im Unterricht und außerhalb der Schule besser vernetzen. Bildungsbenachteiligung will man so ausgleichen. Über Online-Plattformen sollen sich Schülerinnen und Schüler auch von zu Hause aus gemeinsam an schulischen Aufgaben arbeiten und sich austauschen. Fachleute sprechen vom „kollaborativen Lernen“.

Soweit die Theorie. In der Praxis muss nun jede Schule eine Bestandsaufnahme bestehender und künftig notwendiger Ausstattung anfertigen. Auch werden richtigerweise ein technisch pädagogisches Einsatzkonzept und eine Fortbildungsplanung für die Lehrkräfte erwartet, bevor das Geld fließt. Einen guten Überblick, wie weit die Bundesländer sind, listet das Projekt DigiBits auf. Zu sehen ist hier sehr gut, dass nur wenige von ihnen eine Liste veröffentlichen, aus der ersichtlich wird, wie viel Geld jede einzelne Schule erhält.

Ist nicht die entscheidende Frage, ob DigitalPakt Schule und Heimlernen in der Corona-Krise in der Debatte zu trennen sind? Nicht ohne Grund ist das Ziel digitale Schule auf 2025 datiert. Denn die Umsetzung auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene ist nicht nur eine technische, sondern auch eine organisatorische und pädagogische Herausforderung. Das braucht Zeit. Und begleitende Studien.

Lehrende fit machen für Corona

Energie sollte in die aktuelle Debatte gehen, wie man eher mit Kreativität als mit Geld kurzfristig die Lehrenden fit macht, den Heim-Unterricht auf unbestimmte Zeit sozial gerecht und für Kinder und Eltern erträglich anzuleiten – gern per E-Mail, aber auch mit Stift und Papier. Denn spezielle Plattformen wie Moodle in Baden-Württemberg oder mebis in Bayern waren unter dem Ansturm seit Corona ausgefallen. Da haben dann TV– und Twitter-Angebote Konjunktur in Sachen „Homeschooling“.

Täglich im Livestream: Die Politikstunde
Die Schulen sind geschlossen, die Orte, an denen politische Debatten stattfinden können, werden täglich weniger. Die Bundeszentrale für Politische Bildung sagt deshalb: Jetzt erst recht und bietet seit dem 19. März eine tägliche Politikstunde an.

Foto: Steve Riot auf Pixabay

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